Pressemeldung
Frühgeburt verringert Schulerfolg
Arbeitskreis "Frühgeborene und Bildung" will die
Situation der Kinder verbessern
Intelligenz allein ist leider keine Garantie für gelingendes Lernen. Schulkinder müssen darüberhinaus "alle ihre Sinne beisammen" haben, damit sie immer komplexere Aufgaben, die die Schulzeitverkürzung ihnen zumutet, bewältigen können.
Die Feinabstimmung unserer Sinne, die grundlegend ist z.B. für Konzentration, Handlungsplanung oder Merkfähigkeit, ist bei vielen Kindern jedoch nicht mehr gegeben.
Frühgeborene sind dabei besonders häufig betroffen von solchen Schwächen des Wahrnehmungssystems. Ihre Anzahl liegt derzeit bei ca. 8 - 10% jedes Geburtsjahrgangs, Tendenz steigend. Dies verwundert nicht, musste sich doch die letzte Phase der pränatalen Gehirnentwicklung für Frühgeborene statt im Mutterleib unter den "unnatürlichen" Bedingungen einer neonatologischen Intensivstation vollziehen.
Nicht für alle, aber für viele dieser frühgeborenen Kinder sind die schulischen Anforderungen daher schwieriger zu bewältigen als für ihre reifgeborenen Schulkameraden.
Aufgrund dieser Problematik gründete sich im Anschluss an die Delegiertenversammlung des Bundesverbandes "Das frühgeborene Kind" e.V. am 07.03.09 ein Arbeitskreis "Frühgeborene und Bildung". Ziel dieses Arbeitskreises ist es, Hilfe für Familien bereitzustellen, Betroffene und Fachleute zu vernetzen sowie die Bedürfnisse frühgeborener Schulkinder und ihrer Familien gegenüber der Öffentlichkeit und den Verantwortlichen in der Schulpolitik zu vertreten.
"Kleine Ursache große (Stör-)Wirkung", fasst Karin Jäkel, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes "Das frühgeborene Kind" e.V. und Koordinatorin des neu entstandenen Arbeitskreises, die Erfahrungen vieler Frühchen und ihrer Eltern aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen. Ein Kind, das z.B. Nutz- und Störgeräusche nicht trennen kann, ist spätestens nach drei Schulstunden am Ende seiner Aufnahmefähigkeit, kann keine weiteren Aufgaben mehr erledigen, wird reizbar und aggressiv. Die verbreitete pädagogische Einschätzung "verhaltensauffällig" greift in einem solchen Fall allerdings wesentlich zu kurz.
Nur eine fundierte fachliche Diagnostik bewahrt die Kinder und ihre Eltern davor, an sich selbst und an der Schule zu verzweifeln. "Doch die Diagnostik solcher oder ähnlicher Wahrnehmungsschwächen ist nicht mehr als ein Anfang.", bedauert die Elternvertreterin, selbst ausgebildete Lehrerin.
Im normalen Regelschulbetrieb können die Schwächen dieser Kinder kaum aufgefangen werden. Die Lehrer/-innen sind für diese Aufgaben nicht nur nicht ausgebildet, sondern es fehlen ganz einfach Zeit und personelle Ressourcen an den Schulen. Doch was noch viel schwerer wiegt: Die entscheidende Bedeutung der Wahrnehmungsfunktionen für gelingende Lernprozesse ist vielen Pädagogen/-innen immer noch nicht bewusst. Schon leichte Störungen können das Lernverhalten des betroffenen Kindes empfindlich stören und auf lange Sicht seine psychische Stabilität sowie soziale Integration aushebeln.
"Diese Bedingungen sind unhaltbar. Kinder mit entsprechender Intelligenz müssen unter den normalen Gegebenheiten der Regelschule lernen können, und zwar trotz Wahrnehmungs-schwächen. Das ist inklusive Bildung, wie sie in Art. 24 der UN-Behindertenrechtskonvention schon 2006 vereinbart wurde.", lautet das erste Resümee des Arbeitskreises "Frühgeborene und Bildung".
Kontakt und weitere Informationen unter karin.jaekel@fruehgeborene.de.
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